#gegeneinfachewahrheiten – Ein Rückblick

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Am 31.05. hat die Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg zum ersten Mal den Aktionstag „Gegen einfache Wahrheiten. Universität in der Verantwortung“ veranstaltet. Hierbei hat die Universität nicht nur auf dem Campus selbst, sondern auch in der Augsburger Innenstadt ein Zeichen für eine offene Gesellschaft und für gelungene Integration gesetzt.

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„Goldene Abrissbirne“ und „asylpolitische Kaffeefahrten“

Menschenwürdige Unterbringung von Geflüchteten, Zugang zu Bildung und Arbeit, miteinander ins Gespräch kommen – all das ist für Matthias Schopf-Emrich, Mitbegründer und Vorstand von Tür an Tür sowie Asylsozialberater der Diakonie Augsburg, nichts Neues. Und so nimmt Schopf-Emrich seine Zuhörer mit auf eine Reise zurück in die Vergangenheit und zu den Anfängen von Tür an Tür. Anhand von zahlreichen Dokumenten, wie Zeitungsbeilagen, Fotos und Postkarten, zeigt er sehr beispielhaft auf, wie Integration von Geflüchteten gelingen kann und welche Veränderungen im Bereich Asyl es in den letzten 25 Jahren gab und welche Aufgaben heute im Mittelpunkt stehen. Weiterlesen

Christ = gut, Moslem = böse?

Wenn man eine Epoche in der europäischen Geschichte finden müsste, in der „einfache Wahrheiten“ besonders verbreitet waren, dann scheint das „finstere“ Mittelalter auf den ersten Blick nahe liegend. Beispiel: Religion. Angesichts der Kreuzzüge, beispielsweise, könnte man meinen, die allgemeine Auffassung zum Thema Glaube lautete im Mittelalter stets:

Christ = rechtschaffen und gut,

Moslem = böse, böse.

Im Rahmen des Workshops zum Türkenfastnachtsspiel von Herrn Prof. Dr. Klaus Wolf hat sich jedoch herausgestellt, dass es sich auch im Mittelalter mit der Wahrheit äußerst komplex verhielt.

Wie das Türkenfastnachtsspiel aus dem Jahre 1454 nämlich zeigt, war ein Moslem als „Erlöser“ der Christen in Nürnberg mehr als willkommen – und das ein Jahr, nachdem Konstantinopel gefallen und fortan als die islamische Stadt Istanbul bekannt war! Zu dieser Zeit also erschien vor Nürnberg ein Sultan als „Retter“ des Abendlandes. Wie kann das sein?

Lesen Sie selbst, was die Teilnehmer des Workshops bei einer Lesung in der Innenstadt zum Besten gaben: das Türkenfastnachtsspiel von 1454, sprachlich an die heutige Zeit angepasst.

Sultan: Alle mal zuhören! Ich bin nicht gekommen, um euch zu erobern. Ich bin gekommen, um euch von der Unterdrückung zu erlösen. Eure Herrscher handeln nur aus eigenem Interesse und regieren ohne jeden Anstand. Die Armen sind Opfer von Unrecht und Betrug. Die Verantwortlichen tun nichts dagegen, im Gegenteil! Sie sind an Veruntreuung und Korruption beteiligt. Sie kaufen sich falsche Rechtsurteile und kirchliche Ämter. Das darf nicht sein! Ihr dürft ja an eurem christlichen Glauben festhalten. Ich zwinge euch meinen nicht auf. Aber duldet nicht länger, dass die Reichen mit ihren SUVs durch eure Stadt fahren. Das Geld dafür haben sie euch abgenommen! Ihr Hochmut wird sie zu Fall bringen und der, der sie zu Fall bringen wird, bin ich! Ich bin der Sultan und ich bringe Recht und Ordnung.

Adeliger: Was soll das? Ich habe nur zwei Dinge zu sagen, erstens: Dieser „Sultan“ ist ein Moslem, ein Heide, das heißt, von ihm kann sowieso nichts gutes kommen. Zweitens: Diese Vorwürfe stimmen alle nicht. Das sind Fake News. Wir führen hier ein gottgefälliges, rechtschaffenes und christliches Leben in unserem schönen Bayern. Unserem Land geht es gut. Wir brauchen hier keinen dahergelaufenen Eseltreiber, der uns erzählen will, wie man Ordnung hält. Hier sind alle zufrieden, das werden dir alle bestätigen, und jetzt verpiss dich, wo du herkommst, Kümmeltürke!

Bauer: Euch Adeligen geht es gut, aber was ist mit uns? Wir armen Leute werden von euch und eurer Geldgier nur ausgebeutet. Ihr führt kein gottgefälliges Leben und Gott weiß das. Bestimmt hat er deswegen den Türken gesandt, um uns von euch zu befreien!

Sultan: Da habt ihr es! Ein Türke soll das Abendland reformieren! Unter euch herrscht nur Unrecht!

Adeliger: Fake News.

Sultan: Ihr missbraucht eure Macht und tut nichts für das Volk!

Adeliger: Fake News.

Sultan: Das Land leidet unter eurer Herrschaft!

Adeliger: Fake. News.

Obergrenzen, Tugendterror und Gutmenschen

 

Der Sprachwissenschaftler Prof. Martin Haase spricht heute über das „Merkel-Wir“, die „Leyen-Leiter“ und über die Sprache des Rechtspopulismus. Seine Thesen lassen sich nachlesen auf seinem mit dem Grimme Online Award ausgezeichneten Blog Neusprech oder im Buch Sprachlügen. Das Interesse ist groß, der Raum platzt aus allen Nähten, das Thema polarisiert. Wir sind gespannt.

 

Vanilleeis und Rechtspopulismus

Das Grandhotel Cosmopolis stellt sich vor und der Workshop gestaltet sich bereits jetzt auffallend interaktiv. Anhand von Eis-Essgewohnheiten und deren Gegenüberstellung versuchen wir unsere Sinne für andere Einstellungen und die Gewohnheiten anderer Menschen zu schärfen. Nun stellt sich natürlich immer noch die Frage, was Eis essen mit Politik zu tun hat. Zwischenfazit: Sehr viel. Schokoeis stellt die politische Rechte dar, Vanilleeis mit Sahne die politische Linke. In der Mitte steht der Spaghettieis-Becher. Guten Appetit.

Schwierigkeit Bürgerrecht

Herr Schliephake und Herr Weber thematisieren nach der Diskussion das Bürgerrechtsgesetz des Perikles (451/450 v. Chr.). Dafür stellen sie zwei Quellentexte von Aristoteles und Plutarch vor. Zusammengefasst geht es bei die diesem Bürgerrechtsgesetz darum, dass der Zugang zum Status eines Bürgers begrenzt bzw. erschwert wurde. Atheischer Bürger konnte nur sein, wenn beide Eltern Bürger waren. Weiterlesen